Schlaf ist Tod. Das aktuelle Projekt von Jason Rohrer ist aber weder verschlafen noch tot. Ganz im Gegenteil, im 30 Sekunden Takt hetzt man über den Bildschirm. Keine Ahnung um was es gerade geht? Na dann aufgepasst!
Sleep is Death ist ein Videospiel, aber kein Gewöhnliches. Im Spiel gibt es zwei Rollen, den Spieler und den Spielleiter. Beide von Menschenhand gesteuert. Der Spielleiter setzt das Setting und beherrscht das Spiel, der Spieler spielt im Vorgegebenen Setting. Beide haben Möglichkeiten zur Interaktion: Der Spieler kann Reden, Laufen und Agieren (Mit allem), der Spielleiter kann quasi alles! Als Leiter hat man volle Kontrolle über das Spiel und kann alles verändern: Welt, Gegenstände, Musik, den Spieler… alles! Und damit ist nicht nur das Auswechseln gemeint, sondern auch das wirkliche Manipulieren von Pixeln. Beide haben für ihren Spielzug 30 Sekunden Zeit (kann auch geändert werden). In dieser Zeit kann der Spieler agieren, danach gibt er den Ball an den Spielleiter ab. Dieser hat dann wiederum 30 Sekunden zu reagieren. Interaktivität pur.

In der neusten Ausgabe der GEE ist ein netter Artikel zu Sleep is Death. Darin wird zwar beschrieben was Sleep is Death ist, was man damit machen kann und das es lustig ist. Die GEE lässt aber eine Sache aus: Sleep is Death ist interaktives und persönliches Storytelling. Das Spiel ist um Dimensionen interaktiver als Heavy Rain. Hier habe ich nicht nur das Gameplay in der Hand sondern auch die Story, und zwar zu 100%.
Natürlich passiert das alles auf einer abstrakteren Ebene als andere Spiele, aber es ist nicht die Grafik um die es Jason Rohrer (bekennender Pixelfan) geht, sondern nur die Story. Sleep is Death muss man gespielt haben um das System wirklich verstanden zu haben. Sobald man aber hinter das Prinzip und den Editor gekommen ist, hat man schier unendliche Möglichkeiten. Hier hört der GEE Artikel dann auf, aber es gibt noch so viel mehr zu sagen. Sleep is Death ist ein Ein-Mann Projekt, schafft aber in Sachen Storytelling mehr als jeder budgetlastige Titel. Warum? Weil es dem Spieler die volle Kontrolle gibt, ihn ernst nimmt. Er kann tun und lassen was er möchte.
Dabei wird der eigentliche Spaß mehr mit Schauspielerei erzeugt, der Spieler schlüpft in die vorgegebene Rolle. Dann wird improvisiert, kein Script, keine vorgegebene Richtlinien, keine Limits. Beim Improvisationstheater entsteht die Geschichte des Stücks durch die spontane Interaktion der Schauspieler. Das Theaterstück heißt Sleep is Death, die Schauspieler sind Spieler und Spielleiter. Zwar kann ein ungefähres Setting vorgegeben werden, aber die letztendliche Entwicklung ändert sich alle 30 Sekunden.
Sleep is Death setzt meine Messlatte extrem hoch wenn es in Zukunft um Interaktives Storytelling geht. Natürlich geht das Spiel auch einen extremen Weg, aber es funktioniert bestens: Simples Gameplay, interaktive Story. Vielleicht lassen sich einige Spieleentwickler ja von Jason Rohrer inspirieren.
*Alle Spiele spielenswert =)