Loved - Alexander Ocias

Von Markus am 17. Juni 2010 in Spiele

Loved ist ein, mehr oder weniger, seltsames Spiel von Alexander Ocias. Es ist ein Spiel der etwas anderen Art, eher als interaktive Metapher zu verstehen. Aber herrlich.

loved

Was genau passiert in Loved? Wir steuern eine Figur durch die Spielwelt, wie so oft. Das Spiel ist sehr abstrakt, schwarz-weiß und sehr pixellastig, daher interpretieren wir das kleine Männchen, welches wir steuern, leicht als eigenes Selbst. Was auch ein elementarer Teil des Spiels ist, denn wir müssen verschiedene Entscheidungen treffen. Und diese wären uninteressant, wenn es nicht unsere eigenen wären.

Das Spiel, als allgegenwärtiger Mitspieler, kommuniziert mit uns, fragt Dinge und gibt Anweisungen. Diesen Anweisungen können wir folgen, oder sie ignorieren. Zum Beispiel sagt uns das Spiel, wir sollen den härteren von zwei Wegen nehmen, uns einen Abhang hinunterwerfen und Speicherpunkte nicht zu benutzen. Soviel erstmal dazu. Verrückt, aber was ist daran so interessant?

Loved möchte uns sehen, es will dass wir zum Ende kommen. Loved ist interessiert an uns, stellt uns Fragen und respektiert unsere Antworten. Es ist genauso aufgeregt uns zu sehen wie wir. Es möchte dass wir zum Ende kommen, denn es wartet dort auf uns und will mit uns zusammen sein. Aber warum erschwert es uns den Weg dorthin? Vielleicht als Beweis für unsere Liebe. Wir wollen doch auch nichts anderes als ans Ende kommen. Wir sind neugierig und freuen uns darauf Loved endlich zu sehen. Aber gibt man seine eigenen Entscheidungen und Willen auf, wenn man Dinge für jemanden anderen tut?

Loved belohnt uns, wenn wir folgen. Mehr und mehr Details der Spielwelt werden enthüllt, alles wirkt ruhiger und entspannter. Wenn wir also, als Beweis für unsere Liebe, Dinge gegen unseren Willen tun, sehen wir die Welt klarer und schöner.

Umso hektischer und gröber wird alles, wenn wir nicht folgen und Loved verwirren. Man ist verwirrt wenn Liebe nicht erwidert wird, die Welt um einen erscheint nicht mehr wie sie ist. Aber wir meinen es doch nicht böse, wir wollen nur schnellst möglich zu Loved, doch scheinbar macht Liebe blind. Die Pixel der Welt spielen verrückt und wir sind genauso verwirrt.

Am Ende, wenn wir alle Hindernisse überwunden haben, bekommen wir das Resultat unserer Entscheidung. Sind wir nicht auf Loved’s Beweise eingegangen, denkt es wir hassen es. Vielleicht wird es uns verzeihen wenn wir der Liebe noch eine Chance geben. Sind wir gefolgt und haben uns hingegeben dürfen wir endlich mit Loved zusammen sein.

http://www.alexanderocias.com/loved.php

Basti

Loved ist kein gutes Spiel. Es hasst mich geradezu. Es stellt sich mir in den Weg, erschwert mir das Leben, lacht mich aus, widert mich an und will mir nicht helfen. Es ist verrückt, es ist schwer, es ist langweilig. Und ich will es nicht in meiner Nähe haben, ich will es nicht nochmal spielen. Meine Entscheidungen interessieren es nicht und lieber sieht es mich tot, als mich freizugeben. Es ist keine Metapher - es ist noch nichtmal ein Spiel. Vielleicht ist es ein Versuch, ein sehr anstrengender im besten Fall. Ich mag es nicht. Und dann realisiere ich, dass das ein Gefühl ist, das ich einem Spiel entgegensetze. Ich mag es nicht deswegen, weil es so eine schlechte Steuerung hat oder fragwürdige Metaphern, ich mag es nicht, gerade weil es diese Steuerung und Metaphern bewusst einsetzt. Loved hinterlässt kein gutes Gefühl in mir. Aber immerhin hinterlässt es ein Gefühl.

Ich will nicht zu viel in das Spiel hineininterpretieren. Deswegen lasse ich das auch gleich. Tatsächlich finde ich es auch nicht gut. Es ist zu stark gewollt und zu wenig wirklich durchdacht. Natürlich habe ich mich mit ihm auseinandergesetzt und versucht zu verstehen, was es will. Abstraktion ohne wirklichen Bezug ist dann doch sehr schwer nachvollziehbar. Ich brauche keine zwingende Vorgeschichte, einen Anhaltspunkt während des Spiels brauche ich dennoch. Ansonsten fehlt mir der komplette Bezug und die Bindung zum Spiel geht verloren. Die Entscheidungen sind ein guter Ansatz, ihre Konsequenzen sind aber nicht absehbar. Wie ich mich letztlich entscheide, kann ich nicht beurteilen. Es ist der Zufall, der mich durch das Spiel leitet. Klar, einerseits geht man in der Entscheidung nach persönlichen Vorstellungen, aber andererseits kann ich die Situation im Spiel nicht beurteilen und dadurch meine Entscheidung auch wirklich abwägen. Man muss dem Spiel keine Geschichte oder Charakter geben, das will es ja gar nicht, um die Idee dahinter zu transportieren und im Spieler einen starken Eindruck zu hinterlassen, muss man sich aber mehr Mühe geben. Ihn in die Welt ziehen, das geht auch bei sehr kurzen Spielen. Loved ist kein gutes Spiel, es will wohl auch gar kein Spiel sein. Das ist nur schade, denn die Idee mag ich.