Mount & Blade Warband ist, wie schon der erste Teil, ein nettes kleines Open World Spiel im Mittelalter Szenario. Der Spieler kreiert seinen eigenen Charakter, vergibt ein paar Attribute und schon geht es auf ins Abenteuer. In der Welt angekommen, ist der Spieler erstmal frei. Genau hier liegt wohl der schmale Grad zwischen Liebe und Hass. So frei der eine Spieler sein möchte, so sehr liebt der Andere eine strukturierte Geschichte. Diese wird man in Mount & Blade in keiner Weise finden, das „Open World“ wird hier besonders groß geschrieben und zweimal unterstrichen.
Die Geschichte entsteht hier aus den Entscheidungen und Handlungen des Spielers. Die meisten davon fangen mit „Ich will…“ oder „Ich werde…“ an: Ich will eine Burg besitzen, Ich werde ein Raubritter sein, Ich will nicht besiegt werden… und so weiter. Aus dieser, fast kindlichen, Art ergibt sich dann genau eines: eine Motivation. Der Spieler entscheidet selbst für was oder wen er kämpft, er hat es sich selbst ausgesucht. Und das Risiko, welches er eingeht, lohnt sich umso mehr, wenn man dem Ziel einen Schritt näher gekommen ist.

Mount & Blade hat eine schöne Option gefunden dieses „Risiko“ zu erzeugen: durch Speichern. Das funktioniert so: Der Spieler kann nicht sterben, niemals. Aber im realistischen Spielmodus kann der Spieler das Spiel nicht verlassen ohne zu speichern. Jede Aktion wird sofort festgehalten, ohne Kompromisse. Laden? Das geht nur wenn man speichert und dann den Spielstand lädt. Eine wundervolle Lösung in meinen Augen. Der Spieler ist gezwungen seine eigenen Entscheidungen ernst zu nehmen und auch Dinge die ärgerlich sind schmerzen umso mehr. Greife ich die Burg an? Wenn ich verliere werde ich sicherlich gefangen genommen, verliere Ansehen, Geld und meine Männer. Umso ärgerlicher ist eine Situation die man nicht verhindern kann, z.B. besonders mächtige Gegner welchen man ab und zu nicht entkommen kann. Hier fehlt dem Spiel ein wenig die Balance, aber man kann ja auch den un-realistischen Modus wählen.
Doch die Ansätze und Ideen sind herrlich. Spieler ist frei, Motivation entsteht von alleine und Geschichte ergibt sich durch das Spielen. Mount & Blade verkörpert für mich ein Spiel, welches den Spieler ernst nimmt. Es schreit förmlich: „Lass den Spieler ruhig machen, er kann das schon!“. Während andere Spiele einen Schwimmkurs mit uns machen, um uns dann doch mit Schwimmflügeln ins Nichtschwimmerbecken zu lassen, schmeißt uns Mount & Blade direkt ins Meer.
Natürlich gibt es auch weniger tolle Dinge, wahrscheinlich sogar mehrere, aber unterm Strich: Ein gutes Spiel. Wer die Möglichkeit hat, sollte zumindest mal die (zeitlich unbegrenzte) Demo versuchen.