Gedanken zu Prototype

Von Markus am 15. Juni 2010 in Gedanken über...

Ok, Ich habe Prototype gespielt. Ganz kurz zum Inhalt, für alle die nicht wissen um was es geht: In Prototype schlüpft der Spieler in die Rolle von Alex Mercer. Dieser hat kein Gedächtnis mehr, dafür verschiedene Superkräfte: er kann z.B. seinen Körper in eine Waffe verwandeln, indem aus menschlichen Händen riesige Klauen werden. Außerdem ist er immun gegen Pistolenkugeln und Stürze aus jeglicher Höhe. Von den Fähigkeiten her, scheint Alex schier unbegrenzte Möglichkeiten zu haben.

Alles Spielt in New York City, hier hat der Spieler freie Hand sich zu bewegen. In der Stadt wütet ein Virus, welches die Leute zu Zombies macht. Und wo Zombies sind, ist auch das Militär nicht weit. Diese zwei Parteien bieten sich in der ganzen Stadt erbitterte Kämpfe. Und wir als Spieler, mittendrin.

Soweit das Setting, hört sich auf jeden Fall sehr lecker an. Potential hat es auf jeden Fall. Das Spiel enttäuscht aber auf jeder Ebene. Man möchte meinen, das Skript ist genauso lang wie meine zwei Absätze hier und dann hat man das Programmieren angefangen. Wie so oft, finden sich geniale Ansätze, die aber nie durchdacht worden sind.

Nehmen wir zu Beginn die Spielfigur Alex Mercer. Er soll eindeutig kein Held sein, sondern eine einfache Person welche plötzlich mit Superkräften ausgestattet wird und sich nicht viel um den Rest der Menschheit kümmert. Aber auch kein wirklicher Antiheld, mit ein wenig Moral im Kopf. Dabei sind die übernatürlichen Fähigkeiten sehr beeindruckend umgesetzt, unübersehbar ein Mashup aus verschiedenen Superhelden. Wolverine, Spiderman, Spawn und Hulk sieht man sofort raus, sicherlich noch einige mehr. Alex Mercer hätte das Potential gehabt etwas Geniales zwischen Held und Antiheld zu sein.

Prototype

Aber was genau macht Alex Mercer eigentlich im Spiel? Er hat ein simples Ziel: Rache. Rache ist zwar, auf den ersten Blick, eine sehr flache Motivation, kann aber sehr gut funktionieren. Siehe God of War. Aber an wem sich Alex rächen will ist nicht ganz klar. Einmal, sind es die Leute, die IHM DAS angetan haben und ein anders mal die Leute, die DAS getan haben. Ok, sie haben ihm was angetan? In unsterblich gemacht und mit Superkräften ausgestattet. Warum sollte sich jemand dafür rächen wollen? Ich persönlich wäre sehr dankbar dafür, besonders wenn mir in der ersten Spielszene in den Kopf geschossen wird und ich so überlebe.

Das kann es nicht wirklich sein, vielleicht will er sich also doch daran rächen was diese Leute der Menschheit antun. Ein böses Virus auf die Stadt los lassen und alle zu Zombies machen. Wenn es so wäre, dann frage ich mich: Warum ist Alex die Menschheit dann so scheiß egal? Im Spiel tötet man mehr Unschuldige als Kratos es je für Möglich gehalten hätte. Wie Vieh schlachtet Alex unbeteiligte Passanten ab, manchmal um sich selbst zu regenerieren, aber meistens einfach weil sie da sind. Wozu also die Rache, wenn man selbst nicht besser, fast sogar schlimmer, ist? Wenn ich Alex Rache verstehen soll, dann muss es einen Grund geben, und einen Schuldigen. Jemand auf den man mit dem Finger zeigen kann und sagen kann „Die da waren es!“.

Rache kann bestens funktionieren, wenn man einen Grund hat sich zu rächen. Kratos wurde von den Göttern über den Tisch gezogen und hat dadurch seine Familie verloren, Achilleus will seinen gefallenen Freund Patroklos rächen, Beatrix Kiddo wurde in den verdammten Kopf geschossen. Simple Gründe, für simple Rache. Niemand rächt sich dafür Superkräfte geschenkt bekommen zu haben, nicht mal Wolverine.

Somit wird auch die ganze Story total unsinnig. Die meiste Zeit hat man keine Ahnung was überhaupt los ist, wenn man sucht oder warum. Auch die Reaktionen auf verschiedene Ereignisse sind extrem seltsam. Alex Mercer wacht ohne Erinnerung auf, wird von Soldaten verfolgt und dabei erschossen. Dank Superkräften kann er aber überleben und fliehen. Er wundert sich nicht mal darüber, er ist nicht mal überrascht als er Wände hoch läuft, oder als seine Gliedmassen sich das erste Mal ändern. Es passiert einfach. Und als sich sein ganzer Körper in eine Spawn ähnliche Rüstung verwandelt, kommt nur der Spruch „I’m back“.

Dann, als in der ganzen Stadt Zombies marschieren, und zombiehafte Dinge tun (z.B. Menschen fressen), denkt seine Schwester nicht mal daran aus ihrer unsicheren Wohnung zu verschwinden und Schutz zu suchen. Ich persönlich, würde zumindest die Tür verbarrikadieren und Vorräte kaufen. Obwohl, wenn mein Bruder so ein Badass wäre vielleicht auch nicht. 

Etwas anderes sind die Aufträge, die man bekommt. Diese sind oft zusammenhangslos und machen im Gesamtbild keinen Sinn. Vielleicht würden sie mehr Sinn machen wenn man wüsste warum. Alex kümmert so etwas scheinbar nicht. Meistens schließt er die Konversation einfach mit einem allgemein gültigen Satz ab, wenn sich das Spiel hier nicht so ernst nehmen würde, wäre das sicher cool. Alex ist kein Held, kein Antiheld, er ist einfach nur eine stupide Kampfmaschine ohne nachvollziehbare Motivation**. Nicht einmal ein Twist am Schluss, welcher alles ein wenig in Relation setzt, verzeiht so einen Unsinn.

Das Spiel bietet noch so viele Lücken die man aufgreifen könnte, aber ich halte es für sinnlos hier noch weiter zu machen. Das Spiel, in all seiner Banalität, passt genau in das heutige Spielschema: Geniale Idee und kreative Gedanken, dann aber unausgereift und unüberlegt umgesetzt. Ich hoffe einfach immer wieder darauf, dass die Hersteller wegen Zeitdruck oder finanziellen Mitteln nicht fertig geworden sind. Falls „Prototype“ wirklich ein fertiges Produkt der Spiele-Industrie ist, würde Ich weinen. Und weinen muss ich sowieso schon, wenn ich sehe wie solche Spiele gut ankommen.

 

** Kurze Anmerkung zum Thema Superkräfte von Alex Mercer

Das Alex Mercer eine Art Superheld repräsentieren soll, sieht man auch daran dass er eine Schwachstelle hat. Kein Kryptonit, sondern Erinnerungen. Sobald er sich, flashbackartig, an Vergangenes erinnert, schwinden seine Kräfte. Die Idee ist sehr nett und macht im Gesamtbild auch Sinn. Problem ist nur, auch hier wurde ein wenig halbherzig nachgedacht. Alex kann die Erinnerungen anderer Leute aufnehmen indem er sie konsumiert. Es passiert ständig, wirklich permanent. Kommen dabei nicht auch Erinnerungen hoch? Sind es nur seine Erinnerungen? Wie sieht es dann mit dem "Netz der Intrigen" aus? Fragen über Fragen, und keine Antworten... weit und breit.